Versprich Allen Alles: Wahlkampf mit Cicero

Für alle, die es kurz und bunt lieben, hier schon mal die Übersicht

Versprich Allen Alles: Wahlkampf mit Cicero
Bereits 64 v. Chr. gab Quintus Cicero seinem ungleich berühmteren Bruder Marcus (den wir alle als den großen Redner kennen) wertvolle Tipps, wie dieser seinen Wahlkampf gewinnen könne. Was am Ende auch gelang.

Versprich Allen Alles: Wahlkampf mit Cicero

Frei nach Quintus Tullius Cicero hab ich dessen bereits kurz gefasstes Werk noch einmal zusammengefasst. Sehen wir den Schulz-Hype und wie politische Gegner versuchen, diesen Hype aufzuhalten oder schauen wir auf die Erfolge der AfD, so wird deutlich, wie wenig heute anders ist.

Ciceros Ratgeber öffnet uns die Augen für die Empfänglichkeiten der menschlichen Seele im Wahlkampf und zeigt mit welchen Strategien diese Seele sich gewinnen lässt.

Die Kandidatur für ein Staatsamt lässt sich in zwei Bemühungen unterteilen: einerseits die Unterstützung deiner Anhänger sicherzustellen, andererseits die Öffentlichkeit für Dich zu gewinnen.

Loyalität bei Familie & Freunden

  • Loyalität fängt zu Hause an.
  • Du brauchst die absolute Loyalität Deiner nächsten Umgebung.
  • Vernichtende Informationen über einen Kandidaten kommen meist aus seiner nächsten Umgebung.
  • Meide Menschen, denen Du nicht trauen kannst.

Loyalität im Wahlkampf-Team

  • Bau Dir ein Team, auf das Du Dich verlassen kannst.
  • Suche Dir – denn Du kannst nicht überall gleichzeitig sein – Vertreter, denen Du voll vertraust.

Gefälligkeiten – Tit for Tat

  • Erinnere an Gegenleistungen für von Dir geleistete Gefälligkeiten.
  • Tue dies freundlich oder, wenn nötig bestimmt.
  • Wer Dir (noch) nichts schuldet, den weise darauf hin, dass Du Dich in Zukunft verpflichtet fühlst.

Würdige die Loyalität der Anderen

Lass sie wissen, dass Du Dir voll und ganz bewusst bist, was jeder von ihnen für Dich tut, und wie dankbar Du für ihre Leistung und Loyalität bist.

Such Dir Breite Unterstützung

  • Vergiss nicht die eigentlichen Machthaber. Das sind häufig Unternehmer.
  • Vergiss nicht jene, die von den anderen ignoriert werden (NGOs, Vereine, Landbevölkerung, junge Wähler).
  • Denke an jene, mit denen sich keiner abgibt (wenn sie Dir nützen könnten).
  • Mit einer schmalen Unterstützerschicht kann man nur verlieren.

Zeig Dich mit wichtigen Personen

  • Vergiss also nicht Fotos mit wichtigen Akteuren zu machen und diese überall zu posten.
Am wichtigsten sind natürlich Leute von Rang und Namen, die Dir – auch wenn sie Dich nicht aktiv unterstützen – durch ihre bloße Anwesenheit noch mehr Würde verleihen.

Halte motivierende Reden

  • Beherrsche die Redekunst: Die Kunst von Überwältigung und Unterwerfung.
  • Übe Deine Reden.
  • Besprich Deine Reden mit jemandem.

Versprich Allen Alles

  • Versprich allen, die Dir gerade zuhören, alles, was sie hören wollen.
  • Vor den Konservativen betonst Du konservative Werte; vor den Innovativen den Fortschritt usw.
  • Nach der Wahl sage, dass Dich Umstände, auf die Du leider keinen Einfluss hast, hindern, die Dinge umzusetzen (der Koalitionspartner usw.).
  • Wählerzorn entsteht zuerst, wenn Du Wählerwünsche ablehnst und weniger wenn Du später Deine Versprechungen relativieren musst.
Mach es wie Cotta, der allen alles verspräche, sofern ihn nicht eine eingegangene Verpflichtung daran hindere und der nur jene Versprechen erfüllte, die ihm zum Vorteil gereichten. Er verweigerte selten eine Hilfszusage, denn häufig, brauchte jemand, dem er etwas versprochen hatte, ihn später gar nicht. Gebrochene Versprechen verlieren sich häufig in einer Wolke veränderter Umstände, sodass du nur mit geringem Zorn zu rechnen haben wirst.

Schmeichle

  • Lobe die relevanten Akteure.
  • Klopfe auf Schultern.
  • Vermittle den Wählern das Gefühl, Dir wirklich wichtig zu sein.

Beraten & Beraten lassen

  • Lass Dich von relevanten Akteuren konsultieren.
  • Konsultiere relevante Gruppen.

Give Hope

  • Wähler wollen an jemanden glauben.
  • Mach deutlich, dass Du die Welt wirklich verbessern kannst.

Versprich Allen Alles: Wahlkampf mit Cicero

Lerne Namen

Nichts beeindruckt einen durchschnittlichen Wähler so sehr, als wenn ein Kandidat sich seiner erinnert, daher bemühe Dich jeden Tag, Namen und Gesichter im Gedächtnis zu behalten.

Wie Bitten abzulehnen sind

  • Bitten sind NIEMALS abzulehnen, allerdings
Wenn Dich jemand um etwas Unmögliches bittet, wie zum Beispiel, Partei gegen einen Freund zu ergreifen, musst Du aus Ehrgefühl natürlich ablehnen, indem Du die Verpflichtung gegenüber deinem Freund erläuterst, dein Bedauern, der Bitte nicht nachkommen zu können, zum Ausdruck bringst und versprichst, dass Du es in anderer Weise gutmachen wirst.

Bleib in Rom

  • Bleib bzw. sei immer vor Ort.
  • Schüttele die Hände vor Ort und dort, wo die relevanten Gruppen zu finden sind.
  • Im Wahlkampf gibt es keine Zeit für Urlaub.
Verlasse Rom nicht! Hartnäckigkeit heißt, vor Ort auszuharren, und genau das ist angezeigt.

Nutze Schwächen der Gegner

  • Mache eine Stärken-Schwächen-Analyse deiner Gegner
  • Lenke die Wähler von den Stärken deiner Gegner ab
  • Fokussiere auf deren Schwächen. Wiederhole ständig deren negative Eigenschaften.
  • Gut sind: Korruptionsgerüchte, Sexskandale, Nazivergleiche

Kenne Deine Stärken

  • Kenne Deine Stärken und Schwächen.
  • Nutze Deine Stärken und baue sie aus.
  • Meide Deine Schwächen bzw. Kontexte, in denen diese zutage treten.
  • Bereite Dich darauf vor, Deine Schwächen in Stärken zu transferieren. Mittels geschickter Argumentation.

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 Bildnachweise
Zitate entnommen aus
  • Cicero, Quintus T., Wie man eine Wahl gewinnt: Der antike Ratgeber für Politiker, erschienen bei Haffmans & Tolkemitt, 2013
  • Alle Zitate wurden gekürzt und Leseflussoptimiert