Überhitzte Kommunikation: Fake News

Was zum Teufel sind eigentlich #FakeNews? Dieser frische Begriff durchlebt bereits seine erste Inflation. Es werden (typisch deutsch) sogar schon Gesetze gefordert, die Fake News verbieten sollten. Das geht mir alles zu schnell.

Ganz banale Lügen

Fake News so glauben wir, seien gefälschte News. Wir könnten auch sagen: Falsche Tatsachen. Es bleibt der Eindruck hängen, hier bekommt etwas ziemlich Alltägliches ein neues Etikett und wird dann so behandelt als sei es etwas Neues. Denn als absichtliche Falschinformation sind Fake News doch ganz banale Lügen.

Ein altes Argument

Verlassen wir kurz den Reigen derjenigen, die sich gegenseitig der Fakes bezichtigen und schauen auf die Kommunikation von oben drauf. Dann ist der Vorwurf der Lüge ein altbekanntes politisches Argument, auch bekannt als Manipulationstopos. Das funktioniert so: Sagt man uns, dass jemand lügt, dann wissen wir, dass derjenige dies aus Gründen tut. Er manipuliert uns, um seine handfesten Interessen durchzusetzen. Aus dem Vorwurf der Lüge sind jetzt also schon zwei weitere geworden: niedere Interessen und Manipulation. Das Wort „Fake News“ zeigt das anschaulich. News sollen uns Orientierung geben. Werden News gefälscht, orientieren wir uns falsch. Wir werden also manipuliert.

Die Leistung des Manipulationstopos besteht darin, denjenigen zu diskreditieren, auf den der Vorwurf abzielt. Er wird unglaubwürdig. Genauso belebt der Manipulationstopos das politische Geschäft seit Jahr und Tag.

Ein Chamäleon

Das Interessante am Manipulationstopos ist, dass er seine Form wechselt, wie ein Chamäleon seine Farbe. Je nachdem, wer ihn gebraucht. Prominentes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist das Wort „Lügenpresse“. Damit wollen Pegida und AfD der Öffentlichkeit zeigen, dass und von wem diese manipuliert wird. Diffamiert wurden damit vor allem die etablierten Massenmedien.

BennyTrapp Chamaeleo chamaeleon Samos Griechenland.jpg

Auf den Filter kommt es an

Sind Lügen also immer Kommunikationstricks? Nein. Das Problem ist, dass richtige Lügen eher selten sind. Denn in vielen Fällen sind es nicht die Fakten, die nicht stimmen, sondern nur die Filter, die angewendet werden. Und diese Filter sind von Interessen geleitet. In einer vom Krieg zerstörten Stadt wird der letzte Quadratmeter Idylle fotografiert. Aus einem kriminellen Ausländer werden Gruppen von Kriminellen usw. Die Lüge besteht oft in der Verkürzung der Realität.

By Opposition24.de via Wikimedia Commons

Kommunikation überhitzt

Das Problem mit dem Manipulationstopos: Er ist paradox. Wer ihn anwendet, indem er sagt, jemand anderes manipuliere, lüge, fake usw., der verkürzt gleichsam wieder, indem er das Wahre an der Position des anderen negiert. (Und sei dieses noch so klein.) So handelt auch er sich wieder den Vorwurf der Lüge ein. Aus diesem Paradox kommen Menschen schwer raus. In der Regel überhitzt die Kommunikation. Wo die einen #Lügenpresse schreien, rufen die anderen #FakeNews. Am Ende spricht man nicht mehr miteinander.

Dabei wäre gerade Dialog vonnöten.