Amnesty ohne Kampagnen-Sprache

amnesty international smartphone spende nfc ohne Kampagnen-Sprache

 

Eindeutige Botschaft
Relevanz für die Öffentlichkeit/Zielgruppe
Kreativität
Informationsgehalt
Anschlussfähigkeit - Vernetzung

 

Klare Botschaft

Die Botschaft dieser Kampagne ist zwar kurz und klar, aber kaum eindeutig. Warum soll ich mich für die Menschenrechte ranhalten. Was der Botschaft fehlt sind Informationen und Relevanz (siehe unten) und ohne diese beiden verpufft auch die knackigste Botschaft.

Informationsgehalt

Was will Amnesty International mit dieser Kampagne? Gut, ich soll mich für die Menschenrechte ranhalten. Aber warum, welche Gründe gibt es dafür? Amnesty International ist für Menschenrechte, doch was bedeutet das? Was ist das Problem? Niemand will hier lange Texte lesen, soviel ist klar, aber um jetzt für Amnesty International zu Spenden, braucht es schon ein wenig mehr. Und nebenan hängt ja das Poster von Brot für die Welt.

Kreativität

Ich glaube ich muss nichts dazu sagen, wie kreativ der Wortwitz mit den beiden Bedeutungen von „ranhalten“ ist. Ranhalten im Sinne von ’sich sputen“ (Duden) und „ranhalten“ im Sinne von ‚Etwas Physisches an etwas anderes Physisches her-ranhalten‘. Das ist nicht nur nicht sehr kreativ, sondern sogar sehr unkreativ. Kreativ wäre die Verbindung eines solchen Wortwitzes mit einer echten Kampagne von Amnesty International. Ein echtes Anliegen aber fehlt hier (siehe Informationsgehalt), es sei denn, es geht einzig um das Sammeln von Geld.

Relevanz für die Öffentlichkeit/Zielgruppe

Allgemein gehaltene Botschaft und fehlende Informationen ergeben in der Summe null Relevanz. Abgesehen von Menschen, die eh zuviel Geld haben und krampfhaft versuchen dieses halbwegs sinnvoll loszuwerden wird hier wohl keiner für Amnesty International spenden. Abgesehen davon laufen in Berlin Wedding, wo dieses Plakat hängt, von dieser Sorte Mensch nicht allzuviele herum. Aber Stop. Ich sehe da noch eine Zielgruppe: Ein paar Technikfreaks, die ihr NFC Smartphone ausprobieren wollen, denn das Plakat unterstützt ja NFC.

Anschlussfähigkeit – Vernetzung

amnesty ranhalten nfcWer jetzt nicht weiß, was NFC ist (willkommen im Klub), der wird vielleicht bei Wikipedia nachgucken wollen. Ich will das nicht, aber mime mal den Smartphone-Technikfreak, halte mein NFC-fähiges Smartphone an die dafür vorgesehene Stelle auf dem Plakat, aktiviere brav die NFC-Funktion im verschachtelten Einstellungsmenü und – siehe da – nichts passiert. Ich versuche es einmal, zweimal, dreimal. Als Passanten innehalten, um zu ergründen, was für ein Freak sein Telefon mehrere Minuten lang an ein Plakat hält, obsiegt die soziale Scham und ich ziehe von dannen.

Fazit – Fade Werbung ohne Kampagnen-Sprache

Ein gefundenes Fressen für die Kampagnen-Kritik: Wahrscheinlich teuer, dafür aber schlecht. Nicht der Hauch einer Kampagnen-Sprache. Am Ehesten noch eine Kampagne, um NFC (siehe oben) bekannter zu machen. Fundraising fast ohne politische Botschaft. Amnesty International hat auf diesem Plakat gar nichts konkret Politisches mehr zu sagen, sondern fragt einfach nach Geld. Dagegen ist ja nichts einzuwenden, aber leider macht das Plakat dies nicht geschickt genug, um damit durchzukommen.